PDF  | Drucken |
III Archiv, Corpus, Edition - III.3 Handschriftenanalyse und -edition

III.3c Kaukasische Palimpseste

Im Rahmen eines internationalen Partnerschaftsprojekts unter Federführung der Universität Frankfurt sind im Zeitraum von 1998 bis 2007 zwei der bedeutendsten Palimpsesthandschriften kaukasischer Provenienz entziffert und erstmalig ediert worden. Es handelt sich zum einen um den an der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrten, aus Jerusalem stammenden altgeorgischen Codex Vind. georg. 2, dessen unterer Text mindestens 14 verschiedene Handschriften des 5.-11. Jhs. repräsentiert, darunter die ältesten Alttestamenttexte in altgeorgischer Sprache; zum anderen um eine in den 1990er Jahren neu entdeckte Palimpsesthandschrift vom Sinai, die in ihrem unteren Text das einzige bis heute bekannte handschriftliche Material der sog. kaukasisch-„albanischen“ Sprache des Mittelalters (ca. 6.-8. Jh.) verbirgt. Die Ergebnisse der Editionsarbeit sind in drei (2008 bzw. 2009 erschienenen) Bänden der Serie Monumenta Palaeographica Medii Aevi niedergelegt, die neben der eigentlichen Edition der unteren Texte auch Faksimile-Abbildungen der Handschriftenseiten umfassen. Im Gegensatz zu den digitalen, multispektralen Aufnahmen, auf denen die Entzifferung basierte, sind die gedruckten Abbildungen jedoch nur in den seltensten Fällen geeignet, dem Leser die – auf einer Vielzahl von multispektralen Teilaufnahmen basierende – editorische Entscheidung zu erschließen und nachvollziehbar zu machen. Im vorliegenden Teilprojekt sollen nun (in Kooperation mit dem Arbeitsvorhaben Faust-Edition) exemplarisch Verfahren eruiert und erprobt werden, die es ermöglichen, im Rahmen einer Online-Edition durch eine gezielte, an die jeweiligen Erfordernisse angepasste Kombination der in den digitalen Bilddateien (bis zu 100 Aufnahmen pro Handschriftenseite) enthaltenen Informationen ein Maximum an Aussagekraft zu erzielen und damit die Ergebnisse der Editionsarbeit verifizierbar zu machen.