III.1b Illustrationen im Umfeld von Goethes ‚Faust’ (2011-2014) PDF  | Drucken |
III Archiv, Corpus, Edition - III.1 Multimodale Erschließung

III.1b Illustrationen im Umfeld von Goethes ‚Faust’

Im Rahmen eines DFG-Projekts wird seit Anfang 2009 im Freien Deutschen Hochstift in Kooperation mit dem Goethe-Schiller-Archiv Weimar und der Universität Würzburg sowie in Verbindung mit der internationalen Text Encoding Initiative (TEI) eine historisch-kritische Hybrid-Edition von Goethes ‚Faust’ erarbeitet, die erstmals den vollständigen genetischen Text dieses Hauptwerks der deutschen Literatur der Forschung zur Verfügung stellen und die über 60jährige Entstehungsgeschichte des ‚Faust’ zu rekonstruieren erlauben wird. Erstellt wird dafür ein digitaler genetischer Apparat, dessen Aufgabe es ist, die komplexen Zusammenhänge der überlieferten Dokumente auf der Basis mehrfacher Kodierungen des multimedialen Korpus unter Einbeziehung automatischer Kollationsverfahren festzustellen und lesbar zu machen. Ziel ist die vergleichende Analyse der Arbeitsdokumente und der auf ihnen überlieferten Textstufen sowie die Entwicklung von spezifischen Möglichkeiten der Visualisierung genetischer Stemmata im digitalen Medium. Ergänzend ist im Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts die Vernetzung mit einem Sammelgebiet des Freien Deutschen Hochstifts geplant, die geeignet ist, die Verschiebung der Grenzen zwischen elektronischer Edition und archivalischer Erschließung exemplarisch zu erproben.

Die Kunstsammlungen des Freien Deutschen Hochstifts verfügen über einen umfangreichen Bestand an illustrativen Arbeiten zu Goethes Faust-Dichtung, der seit Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragen wurde (ca. 600 Katalognummern, darunter zahlreiche Mappenwerke und Konvolute: ca. 2050 Einzelobjekte). Das Sammelgebiet erstreckt sich von der frühesten Illustration – dem Titelkupfer zu „Faust. Ein Fragment“ (1790) – bis zur Rezeption der Gegenwart und bezieht auch historische Faust-Quellen mit ein. Alle bedeutenden Faust-Illustratoren des 19. und 20. Jahrhunderts sind hier vertreten, von Retzsch, Cornelius und Naeke über Kaulbach und Klinger bis zu Slevogt, Barlach, Beckmann und Heisig. Auch namhafte europäische Faust-Illustratoren wie Delacroix, Scheffer, Rossetti, Toulouse-Lautrec, Dali u.a. sind präsent. Dazu kommen zahlreiche Kleinmeister und Autodidakten, so dass ein repräsentativer Überblick über das Genre gewährt werden kann. Alle das Medium Illustration nutzenden Stilrichtungen des 19. Und 20. Jahrhunderts sind vertreten; neben Handzeichnungen und Aquarellen herrschen Reproduktionstechniken wie Radierung, Kupferstich, Lithographie, Holzschnitt, Buchdruck vor. In einem ersten Schritt gilt es, die begonnene digitale Erfassung (Metadaten und hochwertige Bilddigitalisate) abzuschließen; im zweiten Schritt geht es um die Vervollständigung der Metadaten (Künstler/Urheber/Datierung/Publikation/Darstellung/Thema, Motiv, Szene, Vers/Ikonographie/Technik/Material/Maße/Zustand/Provenienz/Stilistische Einordnung/Vergleichsstücke/Literatur) und eine semantische Auszeichnung der Illustrationen. Ziel ist die Gewährleistung der Voraussetzungen, um im nächsten Schritt die teilautomatische Auswertung und Verknüpfung dieses Sammlungsbestands mit
a) der entstehenden Hybrid-Edition von Goethes ‚Faust’ und
b) den zur Verfügung stehenden Daten zu Faust-Illustrationen, die sich in Form von Titelkupfern bzw. illustrierten Büchern in der Bibliothek des Hochstifts befinden, zu leisten und die Anwendung terminologischer Ontologien zur teilautomatischen Verknüpfung multimedialer Corpora zu testen.