Archiv, Corpus, Edition

III.1 Multimodale Erschließung literarischer Archive

Die Aufgabe der Erschließung multimedialer literarischer Archivbestände geht über die zunächst herzustellende webbasierte Verlinkung von Stellen (Text/Text, Text/Bild, Bild/Bild) hinaus. Ausgehend entweder von dem Werkarchiv einer Autorin / eines Autors oder dem Bestand eines spezifischen, auf ein literarisches Thema bezogenen Sammelgebiets geht es z.B. darum, dessen intertextuellen bzw. intermedialen Horizont zu erschließen, und zwar in Bezug auf die Referenztexte und Referenzbilder des jeweiligen Sammlungsbestandes. Um jedoch auch jenseits der Grenzen eines Sammlungsbestandes die informatorische Offenheit einer Online-Edition oder eines Online-Registers zu gewährleisten, ist geplant, die für den Sammlungsbestand konstitutiven Personen, Orte, Bezugstexte und Themen/Motive auszuzeichnen und mit ihren Entsprechungen in anderen Sammlungsbeständen und in Online-Enzyklopädien (z.B. der Wikipedia) zu verlinken. Auf diese Weise sollen Online-Editionen multimedialer Werkarchive zugleich die Funktion eines Werkregisters und einer Archivdatenbank sowie eines literarischen Informationssystems erfüllen, um schließlich den Sammlungsbestand einem Fachpublikum ebenso wie einem Laienpublikum zugänglich zu machen. Ein weiteres Charakteristikum von Online-Erschließungen besteht darin, dass sie moderne Formen der elektronischen Edition mit klassischen Formen der Handschriftenedition zu integrieren unternehmen. Dies macht ein Instrumentarium notwendig, das auf die elektronische Erschließung, Auszeichnung und Suchbarmachung von Beziehungen zwischen digitalen Texten auf der einen Seite und digitalisierten Manuskripten auf der anderen Seite gerichtet ist. Diese Aufgabe zieht wiederum das Aufgabenspektrum der Bildsegmentierung nach sich. Es geht darum, Segmente von Manuskripten mit Segmenten von Texten in Beziehung zu setzen, und zwar so, dass sie nachfolgenden Untersuchungen als suchbare, annotierbare und modifizierbare Informationsobjekte zugänglich werden. Online-Erschließungen und -Editionen bilden insgesamt gesprochen eine neuartige Form von Informationssystemen, bei denen es darum geht, multimediale historische Corpora mit texttechnologischen Methoden zu erschließen und auszuzeichnen und die resultierenden Informationsobjekte zu vernetzen, um schließlich literarische Werke und literarisch zentrierte multimediale Sammlungen im Kontext frei zugänglicher Wissensressourcen zu verorten. Das zu entwickelnde Erschließungsinstrumentarium und das hierauf basierende Informationssystem soll Modell- bzw. Referenzcharakter für vergleichbare Archiv-Editionsprojekte besitzen. Das System soll daher so entwickelt werden, dass es auf vergleichbare Projekte übertragbar ist. Auf diese Weise sollen schließlich Online-Editionen verschiedener Werke miteinander vernetzt werden können. Aus diesem Grunde ist geplant, dass das System rein webbasiert operiert.

III.1a Hugo von Hofmannsthal (2011-2013)
III.1b Illustrationen im Umfeld von Goethes ‚Faust’ (2011-2014)