I.3b Dekomposition der politischen Sprache transzendent legitimierter Herrschaft (2011-2014) PDF Drucken
I Historische Corpora - I.3 Grundlagen der Historischen Semantik

Dekomposition der politischen Sprache transzendent legitimierter Herrschaft

Folgt man den Forschungen zur Geschichte der politischen Theorie, so verliert transzendente Legitimation von Herrschaft im Spätmittelalter ihre Dominanz. Die Handbücher organisieren die Darstellung dieser Dekomposition um Stichworte wie „Aristotelesrezeption“, „natürliche Begründung von Herrschaft“, „Republikanismus“ oder „Nominalismus“. Sie wird mit großen Denkern (wie Wilhelm von Ockham), großen Malern (wie Lorenzetti) und großen institutionellen Neuentwürfen (z.B. kommunale Herrschaft) verbunden. Ideengeschichtlich betrachtet leuchtet all dies grosso modo ein. Wie sich dieser Transformationsprozess aber als eine umfassende Umorganisationen der Semantik des Politischen darstellen lässt, ist zur Zeit kaum zu beurteilen. Das Teilprojekt untersucht die semantische Seite dieses – weitgehend ideengeschichtlichen – master

narrative der Geschichte politischer Theorien. In unterschiedlichen Textsorten wird zu beobachten sein, wie eine im Kern über Jahrhunderte relativ stabile politische Semantik seit dem 13. Jahrhundert dekomponiert wurde, wo die tradierte Sprache weitergepflegt wurde, wo sie verschwand und welche Gemengelagen zu finden sind.

Insgesamt zielt das Teilprojekt darauf, an einem alten geschichtswissenschaftlichen Kernthema (Verfassungsgeschichte) das Korrekturpotential der corpuslinguistisch basierten Historischen Semantik zu demonstrieren und durch die Weiterentwicklung des Corpusmanagements für eine Vielzahl von Kollegen praktikabel zu machen. Eine besondere Herausforderung bleibt dabei für das Folgeprojekt des LOEWE-Schwerpunkts aufgehoben: Die Tatsache, dass im späten Mittelalter die lateinische Sprache des Politischen herausgefordert wurde durch die Herausbildung vernakularer politischer Sprachen, die
(a) ganz anders funktionierten als die lateinische und
(b) bei weitem nicht in allen Verbreitungsgebieten vernakularer Sprachen entstanden sind.