I.3a Formierung der christlichen, lateinischen Sprache des Politischen (2011-2014) PDF Drucken E-Mail
I Historische Corpora - I.3 Grundlagen der Historischen Semantik

I.3a Formierung der christlichen, lateinischen Sprache des Politischen

Das Projekt untersucht zunächst, wie transzendente Legitimation politischer Herrschaft sprachlich strukturiert war in jenen Jahrhunderten, in denen die politische Sprache noch nicht um die Leitvokabel politia/politicus, sondern um andere diskursorganisierende Vokabeln organisiert war. Eine erste semantische Überprüfung des ideengeschichtlichen master narrative hat ergeben, dass die in der Forschung stets unterstellte fundamentale Bedeutung des mittelalterlichen ordo-Denkens für die politische Sprache empirisch kaum nachzuweisen ist. Auch der – stets als selbstverständlich angenommene – fundamentale Einfluss von Augustins De civitate Dei ist semantisch kaum nachweisbar. Hier ist ein korrigierendes Bild zu erarbeiten. Das Projekt folgt dazu zunächst der aktuellen Forschung, die den frühmittelalterlichen Gebrauch des Terminus regnum als sprachlichen Gradmesser für das Fehlen oder Vorhandensein von Staatlichkeit nutzt. Mit einer breiten semantischen und syntaktischen Untersuchung des sprachlichen Zusammenhangs von regnum sowie des ganzen Feldes analoger Termini für politische Institutionalität, politische Funktionsträger und politische Handlungen soll die sprachliche Seite der politischen Neuformierung in den lateinischen poströmischen Gesellschaften des frühen Mittelalter erfasst werden.