I.2a Historische Wortbildung des Deutschen (2011-2013) PDF Drucken
I Historische Corpora - I.2 Sprachliche Beziehungen

I.2a Historische Wortbildung des Deutschen

Die historische Wortbildung ist wie die historische Syntax ein Forschungsdesiderat in der Germanistik. Es gab zwar ein Erlanger Projekt zur Derivation im Frühneuhochdeutschen, und es existieren auch mehrere neuere Monographien zu einzelnen Wortbildungsmustern, was jedoch fehlt, ist eine neuere systematische und corpusbasierte Untersuchung zur Entwicklung der Wortbildung im Deutschen, die sich Erkenntnisse der modernen Linguistik zunutze macht. Im Mittelpunkt des beabsichtigten Arbeitsvorhabens stehen die Substantivkomposition und Entwicklungen ihrer Struktur und Semantik. Mögliche strukturelle Untersuchungsfragen betreffen die prototypischen Eigenschaften Rekursivität, Binarität und das Kopf-rechts-Prinzip, z.B. im Zusammenhang mit Trikomposita (Mehrfachkomposita) oder mit Zusammenbildungen, aber auch die Entwicklung von Kasuskomposita aus syntaktischen Phrasen. Einen dezidierten Schwerpunkt soll die semantische Interpretation von nominalen Komposita bilden. Aus der eminenten Bedeutung des Kontexts für die semantische Interpretation von Komposita ergibt sich die Notwendigkeit eines corpusbasierten Vorgehens in der historischen Wortbildungsforschung. Die Corpusanalyse muss und soll auf eine spezifische Annotationsstruktur aufbauen, die die Beziehungen innerhalb von Komposita, also unterhalb der eigentlichen „Wortgrenze“, sichtbar und abrufbar macht. Dies ist für die strukturelle und semantische Analyse von Komposita unabdingbar. Die Untersuchung soll sich schwerpunktmäßig auf die sprachlichen Stufen Alt- und Mittelhochdeutsch konzentrieren.