Historische Corpora

I.1 Parallelcorpora

Gegenstand des Teilprojekts sind die Wechselbeziehungen zwischen Übersetzungstexten und den (mutmaßlichen) Vorlagen (Originalen), von denen sie abhängen. Derartige Wechselbeziehungen betreffen z.B. die ältesten Textzeugen des Deutschen, die zum größten Teil auf lateinischen Vorlagen basieren; sie betreffen in entsprechendem Maße auch zahlreiche andere Corpussprachen, die im Zusammenhang mit der Christianisierung verschriftlicht wurden (z.B. Gotisch, Armenisch, Georgisch), ebenso wie Überlieferungen aus anderen Kulturzusammenhängen (z.B. die buddhistischen Überlieferungen Zentralasiens). Derartige Wechselbezüge zwischen der „Vorlagesprache“ und der „Übersetzungssprache“ zu erschließen und zu erfassen, ist ein spezifisches, für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den betreffenden Sprachen unabdingbares Erfordernis; dies gilt nicht nur dann, wenn die Frage der jeweiligen „Vorlage“ nicht a priori feststeht (so z.B. für große Teile der altgeorgischen Überlieferung, für die griechische, armenische und teilweise weitere Quellen in Frage kommen, oder im Falle der alttürkischen Texte, die auf chinesischen, sogdischen, tocharischen, altindischen u.a. Vorlagen basieren können), sondern – etwa im Sinne einer durchgreifenden Eruierung von phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen „Lehneinflüssen“ – prinzipiell für alle auf Übersetzung basierenden Textquellen. Je nach Umfang der betreffenden Überlieferungen setzt diese Aufgabe, wenn man sich nicht auf die spezifische Behandlung von Einzelphänomenen – etwa charakteristische Termini und ihre semantischen Konnotationen – beschränken will, die Schaffung von Verfahren voraus, bei denen die Corpora der „Vorlagesprache“ und der darauf basierenden „Übersetzungssprache“ mit geeigneten Verfahren aufeinander bezogen und systematisch auf Abhängigkeiten hin untersucht werden müssen. In allen genannten Fällen beinhaltet dies eine erhebliche textphilologische Komponente, deren Bedeutung gegenüber statistisch basierten Auswertungen gewichtet werden muss. Solche Verfahren an exemplarischen Fällen zu entwickeln und zu testen ist die Zielsetzung des Teilprojekts „Parallelcorpora“, das sich auf zahlreiche an der Universität Frankfurt erstellte bzw. verwaltete Corpora stützen kann.

I.1a Die althochdeutsche und altsächsische Überlieferung im Verhältnis zu lateinischen Vorlagen (2011-2013)
I.1b Die kaukasischen Evangelien (2011-2014)
I.1c Die alttürkische buddhistische Überlieferung (2011-2013)